Wie ist in Frankreich die gesetzliche Erbfolge geregelt?

 

In Frankreich ist die gesetzliche Erbfolge anders als in Deutschland ausgestaltet. Es hängt zu einem großen Teil davon ab, ob der Erblasser einen überlebenden Ehegatten hinterlässt. 

 

Erbfolge mit einem überlebenden Ehegatten

 

Neben gemeinsamen Kindern erhält der Ehegatte nach seiner Wahl entweder Eigentum an einem Viertel des Nachlasses oder ein Nießbrauchrecht am gesamten Nachlass. Existiert dagegen ein nicht-gemeinsamer Abkömmling, hat der Ehegatte kein Wahlrecht und er erhält immer ein Viertel des Nachlasses, Art. 757 CC.

Existieren keine Abkömmlinge, sondern ausschließlich Elternteile, steht dem Ehegatten die Hälfte und den Eltern jeweils ein Viertel des Nachlasses zu. Existiert nur ein Elternteil, erhält der überlebende Ehegatte auch den Erbteil des anderen Elternteils, also insgesamt drei Viertel, Art. 757-1 CC.

Existieren weder Abkömmlinge noch Eltern, erhält der Ehegatte den gesamten Nachlass als Alleinerbe, Art. 757-2 CC.

Jeder Erbe kann den Ehegatten schriftlich dazu auffordern, sein Wahlrecht nach Art. 757 Code civil auszuüben. Entscheidet sich der überlebende Ehegatte nicht innerhalb von drei Monaten schriftlich für eine Option, so gilt dies als Entscheidung für das Nießbrauchrecht.

 

Beispiel: Die Ehegatten M und F haben zwei gemeinsame Kinder. Der M stirbt in Frankreich, jedoch ohne ein Testament.

Da die Ehegatten ausschließlich gemeinsame Nachkommen haben, hat die F ein Wahlrecht. Sie könnte entweder Eigentum an einem Viertel des Nachlasses oder ein Nießbrauchrecht am gesamten Nachlass erwerben. Zögert die F die Entscheidung hinaus, können die Kinder sie zur Erklärung auffordern.

 

Abwandlung: Zusätzlich zu den zwei gemeinsamen Kindern hat der M noch ein Kind aus einer früheren Ehe.

In diesem Fall besteht kein Wahlrecht. Die F erhält Eigentum an einem Viertel des Nachlasses. 

 

Erbfolge ohne einen überlebenden Ehegatten

 

Hinterlässt der Erblasser keinen Ehegatten, erben die übrigen Verwandten nach den allgemeinen Regeln, Art. 734 Code civil. Zunächst erben die Abkömmlinge des Erblassers (1. Ordnung). Erst wenn keine Abkömmlinge existieren, haben die Eltern, Geschwister und deren Abkömmlinge ein Erbrecht (2. Ordnung). Fernere Ordnungen sollen hier aufgrund der geringeren Relevanz nicht erörtert werden. Nähere Verwandte schließen fernere Verwandte der gleichen Linie von der Erbfolge aus, Art. 734 Code civil. Verwandte gleichen Grades erben zu gleichen Teilen. 

 

Beispiel: Der Erblasser hinterlässt zwei Kinder (K1 und K2), die jeweils drei Kinder haben. K1 verstirbt noch vor dem Erblasser.

In Frankreich erbt K2 die Hälfte des Nachlasses. Die Kinder von K1 treten gleichberechtigt an seine Stelle und erben jeweils ein Sechstel. Für weitere Fragen steht Ihnen Ihr Fachanwalt für Erbrecht in Düsseldorf und Krefeld Dr. Michael Gottschalk zur Verfügung.

 

 

 

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